Es ist ein kalter Wintertag, an dem ich diesen Text schreibe. Als es vor einigen Tagen zum ersten Mal geschneit hat, musste ich sofort an die Kinder in Dali denken, die noch nie Schnee gesehen haben und war damit gedanklich wieder in einer ganz anderen Welt, die ich vor einigen Wochen kennengelernt habe: China.

Als neunte Schülergruppe des Hainberg-Gymnasiums, bestehend aus Charlotte Reese, Leonie Trende, Malin Remmers und mir, Pauline Giesbert, sind wir für vier Wochen in die Provinz Yunnan gereist und haben jeweils zwei Wochen in der – für chinesische Verhältnisse – kleinen Stadt Dali und in einem Dorf in der Nähe verbracht. Zwei Lebensweisen, die sich total von unserem Leben in Deutschland unterscheiden.

Nach einer langen und aufregenden Reise um den halben Erdball sind wir, begleitet von einem Sturzregen, in Dali angekommen und haben nach zwei Tagen Zimmer beziehen, Gastfamilie kennen lernen und Chinesisch lernen, mit dem Unterrichten angefangen. Die nächsten zwei Wochen haben wir Schüler von fünf bis 17 Jahren kennen gelernt und versucht, ihnen irgendwie ein bisschen Englisch beizubringen. Mit den Kleinen in den Vor- oder primary-schools war das bis auf ein paar kleine Verständnisprobleme ganz einfach: Farben, Zahlen oder Tiere an die Tafel malen und mit etwas Glück hat die ganze Klasse im Chor den Namen gerufen – wenn nicht, mussten wir ein bisschen nachhelfen, aber zur Belohnung gab es nach einer Runde „Körperteile-Nachsagen“ das beliebte „Head, shoulders, knees and toes“. Was anfangs etwas Überwindung kostete, war nach zwei Schulstunden locker getan, aber leider war es nicht immer so einfach.

Vor den primary-schools waren wir an den ersten beiden Tagen an einer middle-school und mussten von Anfang an alleine mit einem Viertel einer Klasse zurechtkommen. Was erst mal ganz okay klingt, wird schon schwieriger, wenn man bedenkt, dass wir noch total unter Kulturschock standen und die Klassen nicht aus 30, sondern aus 60 – 70 Schülern bestanden. Allerdings hat die Begeisterung für „die Europäer“ uns sehr geholfen, uns in Dali einzuleben – nach jeder Stunde waren wir von der ganzen Klasse umringt, mussten Autogramme, E-Mail-Adressen und Umarmungen geben, von der Hälfte der Schüler wurde uns gesagt, wie schön doch unsere Haare, Augen und Haut seien und wir haben uns einfach gefühlt wie Filmstars – für die ich jetzt auch ein bisschen mehr Verständnis haben werde ;).

Natürlich haben wir in diesen zwei Wochen nicht nur unterrichtet, sondern auch viele Sehenswürdigkeiten besichtigt, die wunderschöne Altstadt, außerhalb liegende Orte, eine Milchfabrik, die „Three Pagodas“, zwei Tempelparks, sehr viele Restaurants mit wunderbarem Essen, in die wir mit unserer Gastfamilie gegangen sind und natürlich auch die Umgebung unserer Wohnung – Streetshops, Einkaufszentren und auch kleinere Märkte.

Nach diesen aufregenden und erlebnisreichen Tagen haben wir uns auf den Weg ins Shang qing Village gemacht, dort haben wir in den nächsten zwei Wochen mit zwei Studentengruppen auf einem nahe gelegenem Hang Bäume gepflanzt, Märkte in den umliegenden Dörfern besucht und an den langen Abenden Karten gespielt, Musik gehört oder einfach nur geredet. Das Bäumepflanzen bestand zu Beginn erst mal daraus, dass wir den Boden freimachten, mit hartnäckigen Disteln in unseren Klamotten kämpften und die neue Gegend bewunderten, dann wurden in der zweiten Woche Löcher gegraben, beziehungsweise gehackt und erst am Ende pflanzten wir die Walnussbäumchen und bewässerten diese und die anderen etwas älteren Bäume. Das Wetter war wunderbar, wir hatten sehr viel Spaß mit den Studentinnen und auch das Essen, wie schon in Dali von den Eltern unseres Betreuers gekocht, war superlecker.

Das Dorfleben in China ist ganz anders als in Deutschland – es kommt einem vor, als wäre man in der Zeit zurückgereist: Menschen, die ihre Waren kilometerweit auf dem Rücken zum nächsten Markt tragen, mit Gummistiefeln auf den Reisfeldern stehen und mit Sicheln ihren Reis ernten. Maiskolben, die auf dem Hof getrocknet werden und von den Hühnern und Ziegen gefressen werden, und, und, und… Ich kann aber nur sagen, dass es mir total gefallen hat und dass ich auch noch länger dortgeblieben wäre.

Viel zu schnell kam dann der letzte Tag, an dem wir auf den „Chicken foot Mountain“ gelaufen sind. Mit jedem Höhenmeter wurde es kälter und schon von der ersten langen geraden Treppe konnten wir nicht mehr das im Nebel versunkene Ende sehen. Die Aussicht war dementsprechend auch eingeschränkt – weiß. Und noch mehr weiß. Es hat sich trotzdem gelohnt, zumal wir auf dem Rückweg aus dem Bus aus sogar Affen gesehen haben – die total uninteressiert waren und wahrscheinlich an die ständig vorbeifahrenden Busse gewohnt sind. Nach diesem langen und schönen Tag ging es am nächsten Morgen schon wieder los nach Kunming – sechs Stunden Zugfahrt, diese gingen aber sehr schnell vorbei, da wir ein nach Australien ausgewandertes Pärchen auf Heimurlaub getroffen haben, mit denen wir Karten spielen und sogar über Politik reden konnten, da sie ein echt gutes Englisch gesprochen haben. Nach einer Nacht in Kunming sind wir aufgeregt in den ersten Flieger gestiegen, der den Abstand zwischen uns und Göttingen noch weiter verringert hat, haben irgendwie die sechs Stunden am Honkonger Flughafen rumgebracht und dann kam endlich der letzte Flieger nach Frankfurt, wo wir dann in den Zug nach Göttingen gestiegen sind und nach 30 Tagen endlich wieder lachend und weinend in den Armen unserer Familien lagen.

Ich habe in China so viel über andere Kulturen und mich gelernt, wofür ich mich ganz herzlich bei Sycor bedanken möchte, ohne die diese Reise nie möglich gewesen wäre.

Autorin: Pauline Giesbert, Schülerin des Hainberg-Gymnasiums Göttingen