Unser Kollege Nikolai Schmidt-Ott ist mit der ganzen Familie für ein Projekt in die USA gegangen. Hier berichtet er in drei Beiträgen über die aufregende Zeit seiner „Auswanderung mit Rückflugticket“.

Teil 1:

Ende Januar erhielt ich die Anfrage, für das US Otto Bock „Transitionproject“ in den USA mitzuarbeiten. Es ging um die Anpassung der Organisation: Aufbau von neuen Standorten mit entsprechender Verlagerung des Business. Auch die Verlagerung des bisherigen Rechenzentrums in ein „outgesourcetes“ IT-Data Center war geplant. Unter anderem wurde der langjährige US Ottobock Hauptsitz von Minneapolis nach Austin (Texas) verlagert und auch ein neues Distribution Center in Louisville (Kentucky) gegründet. Nach einer kurzen Bedenkzeit bedeutet dies für uns als Familie: Koffer packen. Wir ziehen nach Amerika.

Minneapolis

Minneapolis

Wie fasst man also all die Gedanken und Erlebnisse der letzten 9 Monate zusammen, um die vielen beruflichen und privaten Eindrücke in einem Blog zu teilen? In Erinnerung bleiben die kältesten und schneereichsten drei Wochen meines Lebens im Februar, dem Projekteinstieg in Minneapolis, mit eisigen Tagestemperaturen um -20° Celsius und Nachtwerten um -30° C. Und wie war das denn noch gleich, als ich die Familie Anfang April 2014 aus Deutschland geholt hatte und wir mitten in der Nacht nach mehr als 24 stündiger Reise in Minneapolis ankamen? Unser ganzes Hab und Gut, das wir für die mehrmonatige Auswanderung mithatten, beschränkte sich auf je einen Koffer und ein Handgepäckstück (der Lieblingskater kam im separaten Tiertransport erst später an). Geplante Rückkehr, vermutlich zwischen Oktober und Dezember. „We will see and go with the project“. Es war für uns alle ein Erlebnis, die gewohnte Komfortzone zu verlassen und sich damit bewusst neuen unbekannten Herausforderungen zu stellen. Das gehörte zu dem Familienabenteuer „Auswandern mit Rückflugticket“ dazu.

Schoolbus

Schoolbus

Der mittlere Westen empfing uns Anfang April sehr wechselhaft, teils mit eisigen Temperaturen. Gleich in der ersten Woche gab es in nur einer Nacht in Minneapolis über 30cm Neuschnee. Wie gut, dass der klassische gelbe Schoolbus unsere Kinder jeden Morgen direkt vor dem Hoteleingang abholte und nachmittags wieder ausspuckte. Die Kids hatten großes Glück mit ihren Lehrern in der „public elementary school“, die sich phantastisch um die Kinder kümmerten und ihnen den Einstieg in die neue Umgebung und fremde Sprache in ihrer 3. und 4. Klasse wirklich erleichterten. Die Menschen in Minnesota haben uns gut gefallen. Dies gilt ebenso für die Arbeit: die vielen langjährigen Kollegen waren alle sehr freundlich und interessiert, hilfsbereit und unterstützend.

Downtown Minneapolis

Downtown Minneapolis

Das große Projekt nahm seinen Lauf, langsam sprach sich herum, wer in den tiefen Süden der USA mitzieht und wer, nach oft vielen Jahren/ Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit, aufgrund absolut nachvollziehbarer Gründe diesen Schritt nicht gehen kann und sich damit neuen beruflichen oder Lebens-Herausforderungen stellen muss. Zum Jahresende, das war nun jedem klar, wird es den Hauptstandort Ottobock im hohen Norden der USA nicht mehr geben. Die Vorbereitungen und Umsetzungen der neuen Standortplanungen wurden täglich spürbarer. Viele Kollegen reisten zwischen Salt Lake City, Minneapolis und dem neuen Logistik-Standort Louisville (Kentucky) hin und her. Das Geschäft wurde verlagert, es gab etliche Schulungen und Trainings, die ersten Gebäude in Minneapolis wurden abgebaut und geschlossen. Eine sehr arbeitsreiche und emsige Zeit, die von allen beteiligten Ottobock-Kollegen mit einer erstaunlichen Unterstützung und Disziplin vollzogen wurde. Hut ab! Ende Mai/Anfang Juni war es dann soweit, der neue (erstmal temporäre) zentrale Ottobock-Standort in Austin, wurde zum Leben erweckt. Bei in Texas üblichen sommerlichen Tagestemperaturen um die 40 Grad wurden vor Ort die ersten neuen Mitarbeiter gesucht und eingestellt.

Nikolai Schmidt-Ott - GleitschirmflugAutor: Nikolai Schmidt-Ott (Leitung IT-Service-Management)