Unterwegs mit den Sycor-Kumpels in der Zeche

Die meisten von uns verstehen heutzutage unter Kohle das, was am Ende des Monats als schwarze Zahl auf dem Kontoauszug gedruckt wird. Dabei macht man sich in den seltensten Fällen die Finger schmutzig und wenn doch, dann nur, weil die Tinte auf dem Auszug noch nicht getrocknet ist. Wir sitzen tagein tagaus auf unseren ergonomischen Bürostühlen und bekommen bei all dem Geklicker ab und zu mal einen Krampf in dem rechten Zeigefinger. Wir bei der Sycor arbeiten in immer schöner eingerichteten Büros. Noch vor ein paar Jahrzehnten sah der Arbeitsalltag der meisten Deutschen jedoch ganz anders aus. Vor allem solcher, die im Ruhrgebiet wohnten und denen der Bergbau ein „sicherer“ Arbeitsplatz war.

Da die Abteilung Microsoft Dynamics AX Beratung (MAX-Beratung V) ihren Sitz in Ratingen bei Düsseldorf hat, lag die Idee recht nahe, sich einmal im Ruhrgebiet umzuschauen. Als Teamevent machten wir Anfang Juni einen Ausflug in die Zeche Zollverein in Essen. Gerne würden wir jetzt hier mit Zahlen, Fakten und Daten um uns werfen, doch davon ist nicht so viel hängen geblieben. Stattdessen bekamen wir einen Eindruck davon, was es heißt sich die Hände mal so richtig schmutzig zu machen. Was bedeutet es, wenn das Arbeiten mit ernsthaften gesundheitlichen Risiken behaftet ist? Wie ist es in ziemlicher Dunkelheit tausend Meter unter der Erde zu sein? Wenn die Geräusche am Arbeitsplatz so ohrenbetäubend sind, dass ein Großteil der Arbeiter schwerhörig wird? Das Tageslicht erst nach Schichtende wieder zu sehen?

Unsere Führung durch die Zeche begann mit einigen Fakten zur Erbauung der Zeche und ihrer Geschichte. Wir stiegen bis zur Spitze des Hautgebäudes empor, wo uns gezeigt wurde, wie früher die Kohle aus einer Tiefe von etwa tausend Metern bis nach hier oben transportiert wurde. Es gab eine Trennung von Warentransport und Personaltransport, da sich die Kabinen, in denen die Bergmänner nach oben und unten befördert wurden, langsamer bewegten und durchaus mit Licht ausgestattet waren. Um einen stetigen Abbau und Transport der Kohle an die Oberfläche zu gewährleisten, wurden zwei Lastenzüge benutzt. Die Kohle kam oben an und wurde dann per Schienensystem in eine große Halle gefahren. Fielen auf dem Weg große Kohlestücke vom Wagen und blockierten so die Schienen, so mussten die Bergleute diese entfernen. Im besten Falle behielten sie dabei noch alle Finger oder bekamen nicht den nächsten heranfahrenden Wagen in den Rücken gerammt.

In der Halle musste ein wahnsinniger Lärm geherrscht haben. Die akustische Präsentation der damaligen Situation ist heute aus Demonstrationszwecken um ein Vielfaches leiser. Wir lauschten den Geräuschen und stellten uns vor, wie die vielen Wagen mit ihrer Ladung durch diese Halle fuhren, umgedreht und ausgeleert wurden. Dennoch waren wir alle dankbar als nach ein paar Minuten die klappernden und quietschenden Geräusche von heranfahrenden Kohlewagen verstummten. Die obenliegenden Fenster lassen heute ein paar Sonnenstrahlen auf den nackten Betonboden fallen, sodass die Schienen an der einen oder anderen Stelle glitzern. Damals setzte sich auf den Fenstern der Kohlestaub ab und ließ kaum natürliches Sonnenlicht herein.

Die drei Stunden, in denen wir von der sympathischen Susanne durch die Zeche geführt wurden, reichten aus, um uns in eine Welt blicken zu lassen, die geprägt war von Dunkelheit, Nässe, staubiger Luft und überall präsenten Gefahren. Jedoch bekamen wir auch einen Eindruck von der familiären Atmosphäre, die unter den Bergleuten – den sogenannten „Kumpels“ – herrschte und dem starken Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Und so ganz nebenbei: Bei dem anschließenden Mittagessen haben wir nicht die Zeche geprellt. 🙂

Nadine Ölmann (Sycor Consultant)

Autorin: Nadine Ölmann (Consulting Services, Consultant)