Stellen wir uns eine Wiese vor auf die frischer Schnee gefallen ist. Wenn wir über sie gehen, dann hinterlassen wir eine Spur. Bleibt es dabei, so wird unsere Spur nach kurzer Zeit vom Winde verweht und verblasst. Wollen wir die Spur erhalten oder gar zu einem Weg ausbauen, müssen wir sie noch mal und noch mal gehen. Immer wieder. Je öfter, desto fester und stabiler wird sie.

Vergleichen wir nun unser Gehirn mit dieser Wiese. Eine Information, die unser Gehirn erreicht, verhält sich dann analog wie wir. Sie hinterlässt aber natürlich keine Fußspuren, sie lässt Nervenverbindungen entstehen, schwach zunächst und vergänglich. Bleibt diese Information einmalig, dann entflechten sich die Nervenverbindungen wieder und wir haben die Information vergessen. Wollen wir, dass sie in unserem Gehirn bleibt, dann müssen wir uns mit ihr beschäftigen.

Das Entstehen der Nervenverbindungen, quasi die Verflechtung des Gehirns, nennt man Lernen. Lernen ist ein physiologischer Vorgang und bewirkt den Aufbau von Netzwerkstrukturen der Neuronen untereinander. Lernen ist demnach ein aktiver Vorgang. Lernen ist kreieren und nicht konsumieren. Über so eine aktive Verdrahtung findet unser gesamtes Wahrnehmen statt.

Soll etwas Neues gelernt werden, so ist es am Wirkungsvollsten, da anzusetzen, wo es schon Nervenverbindungen gibt, d.h.an bestehendem Wissen anzuknüpfen. Das ist viel einfacher als bei null anzufangen und eine komplett neue Spur zu legen, die es dann aufwändig auszubauen gilt. Die Effizienz beim Lernen wird zusätzlich deutlich gesteigert, wenn der Lernende selbst aktiv Erfahrungen macht. Also neben den kognitiven auch affektive und psychomotorische Lernanreize einbezieht, und zwar mit allen Sinnen, nämlich visuell, auditiv und haptisch. Um dies in der Praxis umzusetzen, helfen Geschichten, Metaphern oder Eselsbrücken.

Zusätzlich unterstützt wird der Lernerfolg, wenn berücksichtigt wird, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und am liebsten mit anderen arbeitet. Daher ist es zur Festigung des Erlernten zusätzlich förderlich, soziale Interaktionen einzubeziehen, z.B. gemeinsam etwas vorbereiten, ausarbeiten, präsentieren.

Was bedeutet das für die Durchführung von Trainings? Hier die Kerngedanken vorweg, die Konkretisierung folgt in einem späteren Beitrag: Wenn ein Training für die Teilnehmer erfolgreich sein soll und wenn der Lernerfolg nachhaltig wirken soll, dann muss der Trainer die Sicht der Teilnehmer einnehmen und deren Lernbedürfnisse in den Mittelpunkt rücken. Weil nicht gelehrt wird, sondern gelernt. Er mutiert dann vom Teacher, der alles vorgibt, zum Moderator, der ein optimales Lernklima schafft. Dies kann zunächst Unsicherheit bringen, weil der Verlust von Kontrolle droht, aber der nachhaltige Erfolg rechtfertigt dieses Wagnis.

Kontraindikationen für das Lernen sind, und das sei abschließend bemerkt: Stillsitzen, Eintönigkeit, stupides Wiederholen, Druck, Entmutigung, Überforderung.

Oskar Sauter Autor: Oskar Sauter  (Training & Consulting | Trainer & Coach)